Ein Dachaufbau in Amsterdam heißt für uns: Raum schaffen, Verantwortung übernehmen und bewusst in die Zukunft investieren. Seit einem Jahr planen wir die Erweiterung unserer 49‑m²‑kleinen Tiny-House-Wohnung in Amsterdam West um 35 Quadratmeter mit Balkon und Dachterrasse. Warum wir diesen Schritt gehen und wie ein Dachaufbau in Amsterdam abläuft, möchten wir in diesem Couple of Men Artikel mit dir teilen – Schritt für Schritt. Zudem zeigen wir Expats und Nicht-Niederländer:innen, welche Entscheidungen dahinterstehen, rechtlicher, juristischer und persönlicher Natur.
– in Zusammenarbeit mit verschiedenen Bauunternehmen –

Wie wir unser Zuhause in Amsterdam West erweitern – als deutsch-niederländisches Männerpaar
Wer in Amsterdam und vielen anderen lebenswerten Städten Europas lebt, kennt die Realität: Wohnraum ist knapp. Und wer sich glücklich schätzen kann, auch nur ein kleines bisschen Wohnraum zu sichern, sucht nach Möglichkeiten, diesen zu erweitern. Hier in Amsterdam ist es üblich, eine von zwei Möglichkeiten zu wählen: im Erdgeschoss durch einen Gartenausbau oder auf der obersten Etage in Form eines Dachaufbaus auf einem Flachdach. Doch ein Dachaufbau entsteht auch dann nicht spontan. Er wächst aus Gesprächen, Skizzen, Abwägungen, Geduld, Sparen und jeder Menge Organisation.
Auch wir haben uns entschieden, unser bestehendes Zuhause zu erweitern, statt umzuziehen. Wir wohnen sehr gern in unserem Stadtteil Bos en Lommer. Wir wollen bleiben. Und wenn alles gut geht, wollen wir hier alt werden. Dazu muss sich unser Zuhause mit unserem gemeinsamen Leben weiterentwickeln können. Wir schreiben aus der Mitte des Prozesses heraus. Einiges ist entschieden. Anderes wird sich erst zeigen, wenn gebaut wird. Genau deshalb halten wir es fest. Dieser Artikel markiert den Anfang eines etwas anderen Reiseberichts auf unserem Gay-Couple-Reiseblog.

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Amsterdam als unser Zuhause
Amsterdam ist für uns keine Adresse auf dem Briefkasten. Für Daan bedeutet diese Stadt Herkunft, Familie, Identität. Seine Großeltern führten einen der Blumenläden auf der Singelgracht, für die das Stadtzentrum so berühmt war. Frühmorgendliche Marktbesuche, Lieferungen mit dem Fahrrad, Stammkund:innen über Jahrzehnte: Das sind Geschichten, die er von seinen Großeltern immer wieder gehört hat. Und selbst seine Mutter wuchs noch direkt an dieser Gracht auf. Seine enge Verbindung zu Amsterdam ist ein wichtiger Teil seiner Familiengeschichte.
Für Karl, der ja ursprünglich aus Dresden im Osten Deutschlands stammt, begann Amsterdam erst später. Zunächst als Wahlheimat, dann als Alltag, dann als Zugehörigkeit. Es gab keinen großen Moment, in dem alles klar war. Eher viele Kleine: ein vertrauter Weg nach Hause, ein Lieblingscafé, ein Sommerabend am Wasser. Irgendwann wurde aus „hier wohnen“ ein echtes Ankommen. Dass er nun auch fließend Niederländisch spricht, gehört für ihn selbstverständlich dazu.

Wir sind seit 13 Jahren ein Paar. Am 29. März naht unser Jahrestag, an dem wir uns vor 2 Jahren auch das Ja-Wort gegeben haben. Unsere Hochzeit in Amsterdam war ein aufregendes Abenteuer für sich allein. Es bedeutete uns sehr viel, in dem Land zu heiraten, das als Erstes überhaupt im Jahr 2001 die gleichgeschlechtliche „Ehe für Alle“ per Gesetz gleichstellte. Wir leben hier ganz bewusst und gern. Amsterdam gehört zu unserer Geschichte. Besonders stolz sind wir auch über die Tatsache, dass Amsterdam 2026 Gastgeber von WorldPride sein wird.
Was wir an Amsterdam dann doch noch ein bisschen mehr lieben, sind konkrete Erlebnisse: Sommerabende an den Grachten, mit dem Fahrrad Richtung Dünen, queere Festivals, die sich über ganze Wochenenden ziehen, die LGBTQ+-Pride-Bootparade auf der Prinsengracht. Als Reiseblogger steht Amsterdam für uns auch für die Verbindung zur Welt. Denn über den Flughafen Amsterdam Schiphol sind wir schnell unterwegs, nicht zuletzt dank unserer Zusammenarbeit mit KLM Royal Dutch Airlines. Gleichzeitig ist es nur etwa eine Flugstunde bis zu Karls Familie südlich von Berlin. International unterwegs und doch nah an der Familie: Genau diese Mischung hält uns hier.
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Unser Haus und der Respekt vor dem Bestand
Der Wohnungsmarkt ist, wie in vielen europäischen Großstädten, auch in Amsterdam seit Jahren angespannt. Bevor wir unsere heutige Wohnung kaufen konnten, mussten wir über ein halbes Jahr lang auf sage und schreibe 16 andere Wohnungen bieten und dabei den Marktpreis um ein Vielfaches übertreffen. Jede Besichtigung brachte Hoffnung, jede Absage war ernüchternd. Am Ende haben wir ausgerechnet in der Straße die Zusage bekommen, in der wir unser erstes Gebot abgegeben hatten: der Bestevâerstraat. Wie passend! Was wir an „unserer“ Straße so schätzen, ist vor allem die Ruhe, die Nähe zu Erasmus-, Rembrandt- und Westerpark sowie die sich stetig weiterentwickelnde Nachbarschaft.
Unser Haus stammt aus den Jahren 1924/25 und gehört zu einem zusammenhängenden Block mit charakteristischer Backsteinarchitektur im Geist der sogenannten Amsterdamse School. Jordanus (“Daan”) Roodenburgh war der Architekt unseres Gebäudes, das durch seine langen Fassaden, sorgfältig gesetztes Mauerwerk und klare Proportionen auffällt. Wenn wir unsere kleine, über 100 Jahre alte Wohnung nun erweitern, dann mit Respekt vor diesem Bestand. Amsterdam legt bei architektonischen Veränderungen besonders Wert darauf, dass eine Ergänzung das Haus in seiner Logik fortsetzt.

Warum wir unsere Wohnung in Amsterdam erweitern
Unsere Wohnung hat als “Tiny House” gerade einmal 49 Quadratmeter, weder Boden noch Keller. Als wir sie 2021 kauften, wussten wir, dass sie kompakt ist, was eigentlich eine höfliche Umschreibung für „klein“ ist. Trotzdem war sie unser Anfang. Unser erstes gemeinsames Eigentum. Ein Raum, den wir selbst gestalten konnten. Doch inzwischen hat sich unser Alltag verändert. Wir arbeiten beide als Freelancer, häufig von zu Hause aus. Zwei Arbeitsplätze, Videocalls, parallele Projekte. Manchmal funktioniert das reibungslos. Manchmal merkt man, wie wenig Rückzug möglich ist.
Dazu kommen der Wunsch nach Raum für Gäste und Familienbesuche sowie unsere beiden kleinen Kinder. Raum, der nicht jedes Mal neu organisiert werden muss. Raum, der es erlaubt, dass einer konzentriert arbeitet, während der andere sich zurückzieht. Mit dem Dachaufbau entstehen rund 35 zusätzliche Quadratmeter. Das heißt konkret: ein größeres Schlafzimmer, Stauraum, ein zusätzliches Arbeitszimmer sowie ei

Nachhaltigkeit als persönliche Entscheidung
Ein Dachaufbau ist immer auch eine energetische Weichenstellung. Wenn wir neu bauen, dann bewusst. Die Stadt Amsterdam verfolgt seit Jahren das Ziel, schrittweise von fossilen Brennstoffen im Alltag wegzukommen und den Energieverbrauch im Gebäudebestand zu senken. Als Orientierung wird häufig das Jahr 2040 genannt. Damit wurden auch die Baubeschlüsse der Stadt angepasst, auf die wir unseren Ausbau ebenfalls stützen müssen. Doch es gehört für uns dazu, heute Verantwortung zu übernehmen und nicht am falschen Ende zu sparen.
Holz als tragende Konstruktion, sauber geplante Isolierungsschichten in den Wänden und im Dachaufbau sowie die Perspektive, langfristig vom Gas wegzukommen, gehören für uns zusammen. Der neue Aufbau und das neue Dach werden hochgradig gedämmt ausgeführt. Das gilt als die wichtigste Voraussetzung, um zukünftig beispielsweise auf Wärmepumpen umzusteigen. Damit verbessern wir nicht nur unsere eigene Wohnung, sondern auch das Nachhaltigkeitsetikett des gesamten Gebäudes und der Stadt.
Nachhaltigkeit im städtischen Kontext
Unser Schritt steht nicht für sich allein. Amsterdam arbeitet mit einem Nachhaltigkeitskonzept, das unter anderem Parkflächen erweitert, Autoräume reduziert, Tempo‑30‑Zonen in vielen Stadtteilen etabliert und emissionsfreie Bereiche schrittweise ausbaut. Der öffentliche Raum verändert sich. Mehr Platz für Fahrräder und Fußgänger. Weniger Raum für (parkende) Autos. Wir merken das im Alltag, beispielsweise, wenn wir auf dem Rad unterwegs sind und als Fußgänger mehr Platz auf der Straße und in den Stadtvierteln im Grünen haben. Unser Dachaufbau fügt sich in diesen größeren Wandel ein.

Dachaufbau in Amsterdam: kein Sprint, sondern ein Marathon
Vor genau einem Jahr haben wir begonnen, uns intensiv mit dem Thema zu beschäftigen. Am Anfang standen Gespräche. Wir haben Nachbar‑VvEs kontaktiert, Erfahrungen gesammelt und uns erklären lassen, wo typische Stolpersteine liegen. Parallel dazu suchten wir nach einer verlässlichen Baufirma mit Erfahrung im Dachaufbau. Die persönliche Verbindung, tatsächliches Fachwissen und Verlässlichkeit waren für uns wichtiger als Schnelligkeit. Erst als konkrete Zeichnungen vorlagen und der geplante Aufbau in Details nachvollziehbar war, haben wir das Genehmigungsverfahren von unserem Partner Zicht Bouw starten lassen.
Dieses erste Jahr kostete viel Kraft, um die teils komplizierte Rechtslage und die Beschlussfassung zu verstehen. Vor allem die Abstimmung innerhalb der Eigentümergemeinschaft ist wichtig, denn es gilt, unterschiedliche Fragen zu beantworten und individuelle Perspektiven zu verstehen und zu adressieren. Wir haben lernen müssen, zuzuhören und Entscheidungen transparent zu erklären sowie auf Basis des Allgemeinwohls innerhalb der Vereinigung von Eigentümern (VvE) gemeinsam zu treffen. Wir können uns gar nicht vorstellen, wie viele Stunden wir gemeinsam geplant, nachgedacht und gegrübelt haben, wie unser gemeinsames Paradies aussehen könnte. Doch ohne diese Phase gäbe es keinen nächsten Schritt.

Wir sprechen dabei nicht vom Bau selbst. Dazu werden wir in den kommenden Monaten weitere Artikel veröffentlichen, die die wichtigsten Themen genauer besprechen:
- Omgevingsvergunning: niederländische Umwelt- und Baugenehmigung. Wann ist sie notwendig? Wer fragt sie an? Wie frage ich sie an?
- VvE: Eigentümervereinigung. Wie informiere ich die VvE? Was muss ich mit der VvE teilen? Wann benötige ich die Zustimmung?
- Splitsingsakte: Aufteilungsurkunde. Was ist die Splitsingsakte? Muss ich für meinen Dachausbau die Splitsingakte ändern? Wie läuft das Änderungsverfahren in der VvE und mit einem Notar?
- Erfpacht: die niederländische Erbpacht. Steht das Gebäude, in dem sich mein Apartment befindet, auf einem Stück Land mit Erbpacht? Wenn ja, muss ich eine Änderung anfragen? Wann komme ich für eine Freistellung von einer Erbpacht-Anpassung infrage?
- Verduurzamen: Nachhaltigkeit. Wie kann ich nachhaltig bauen? Welche Regeln gilt es in den Niederlanden zu beachten? Kann ich vom Staat eine Förderung beantragen? Wenn ja, wie?
Warum wir mit Zicht Dakopbouw bauen
Für die Umsetzung unseres Dachaufbaus arbeiten wir mit Zicht Dakopbouw B.V. zusammen. Das Familienunternehmen ist auf An- und Aufbauten sowie auf sogenannte Prefabs an bestehenden Gebäuden spezialisiert. Zicht Bouw entstand 2021 aus dem Zusammenschluss zweier kleinerer Unternehmen unter den beiden Chefs Sybren und Koen. Der Hauptsitz der Firma befindet sich im niederländischen Zwaag. Wir haben die Produktionshalle vorab besucht und konnten uns in persönlichen Gesprächen davon überzeugen, wie respektvoll der Umgang mit uns als Männerpaar war und wie sehr auf professionelle Arbeitsweise Wert gelegt wird. Von den Bauzeichnungen über das Genehmigungsverfahren bis zur Koordination mit Drittunternehmen: Wir hatten einen Klick mit allen Mitarbeitern, von den beiden Gründern bis zum technischen Zeichner. Alles passte.

Etwas mehr zu unserem Dachaufbau
Unser Aufbau besteht aus drei vorgefertigten Prefab-Modulen. Nachdem das Dach und die Balkenlage inspiziert und für den Dachaufbau verstärkt und vorbereitet wurden, wird unser neues Haus in „Häppchen“ mit mehreren Lkw geliefert und an einem einzigen Tag per Kran auf das Gebäude gehoben und montiert. Am Ende dieses entscheidenden Tages steht der Aufbau wind‑ und wasserfest auf unserem Dach. Für uns bedeutete die Prefab-Variante präzise Vorbereitung, klare Abläufe und eine begrenzte Phase, in der das Gebäude offen ist und die Bauarbeiten Lärm verursachen. In einer dicht bebauten Stadt ist das ein entscheidender Punkt. Zudem ist Prefab eine leichtere Konstruktionsart, die für unser besonderes Gebäude eine geringere Belastung des Fundaments bedeutet.

Was bedeutet „Prefab mit Zicht Bouw“? Ein Prefab-Dachaufbau von Zicht Bouw ist eine hölzerne Aufstockung, die, in unserem Fall in drei Modulen, vollständig in der Zicht-Bouw-Fabrikationshalle vorgefertigt, geliefert und vor Ort montiert wird. Diese nachhaltige Lösung „Made in the Netherlands“ bietet durch präzise Vorfertigung eine extrem kurze Bauzeit, hohe Qualität und minimale Störungen für die Nachbarschaft. Sie gilt als ideale Möglichkeit zur Wohnraumerweiterung.
Zicht Bouw
Mit diesen Unternehmen arbeiten wir zusammen
Doch das war natürlich nicht alles! Nach dem fertigen Rohbau, der in nur wenigen Wochen realisiert wird, folgen weitere Schritte: Die Wände müssen bearbeitet und gestrichen, das neue Badezimmer vorbereitet und der Boden sowie die Heizung angelegt werden. Für den Innenausbau planen wir, mit weiteren Unternehmen zusammenzuarbeiten. Dazu zählt auch ein guter Schreiner, der dann Details wie unsere bewegliche Trennwand zwischen Wohn‑ und Schlafbereich realisieren soll. Vielleicht gelingt es uns sogar, eine Wärmepumpe zu installieren. Das hängt jedoch von unserem Budget ab.
Wir werden in diesem Artikel auch weitere Informationen zu den beteiligten Unternehmen mit dir teilen und diese in separaten Posts genauer vorstellen.
Wenn ihr möchtet, begleitet uns. Karl & Daan.

Die nächsten Schritte für unseren Dachaufbau in Amsterdam
Wir schätzen, dass die gesamte Bauphase voraussichtlich zwei bis drei Monate dauern wird. Ein Teil davon wird laut sein. Ein Teil ist organisatorisch anspruchsvoll. Der Kran‑Tag markiert einen sichtbaren Wendepunkt. Nach einem Jahr Planung entsteht innerhalb weniger Stunden eine neue Ebene.
Wir bleiben während eines Teils der Bauzeit in der Wohnung. Was praktisch möglich ist, entscheiden wir situativ. Dieser Artikel bildet den Auftakt einer Serie. Wir zeigen, wie sich ein Dachaufbau in Amsterdam Schritt für Schritt entwickelt – mit allen Entscheidungen, die dazugehören.
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Wichtiger Hinweis: Unser Bauprojekt wurde von Zicht Bouw sowie weiteren Bauunternehmen in Amsterdam und den Niederlanden unterstützt. Ein besonderes Dankeschön gilt unseren Eltern und Schwiegereltern sowie Freund:innen, die uns von der Planung bis zum letzten Anstrich unserer Wohnzimmerwand unterstützt haben. Unsere Meinungen und Texte basieren wie immer ausschließlich auf unseren persönlichen Erfahrungen. Alle Fotos und Videos in diesem Artikel stammen von uns.


